
Das Ziel der Diagnose- und Förderklassen besteht darin, Kinder mit Schwierigkeiten in den Bereichen Lernen, Sprache, Wahrnehmung oder Verhalten bestmöglich und nach individuellen Bedürfnissen zu fördern.
Meist sind die Diagnose- und Förderklassen an ein Förderzentrum angegliedert.
Wenn es die Leistungsfähigkeit des Kindes zulässt, wird die Rückführung zum Ende der zweiten Klasse (nach dem dritten Schulbesuchsjahr) in die dritte Klasse der Grundschule angestrebt.
Die Kinder werden in der Diagnose- und Förderklasse nach dem Grundschullehrplan unterrichtet und haben für den Lernstoff der Klassen 1 und 2 drei Jahre Zeit (Klassen 1, 1A, 2 ). Für diese Kinder erhöht sich die Schulpflichtzeit von 9 auf 10 Jahre. Für manche Schüler ist der Wechsel in die Grundschule bereits nach dem zweiten Schulbesuchsjahr sinnvoll, wobei sie dann aus der Klasse 1A in die zweite Klasse Grundschule wechseln. Eine Übersicht über den Anteil an Rückführungen erhalten sie hier.
Eine Rückführung ist jedoch nicht bei jedem Kind möglich. Über die geeignete Schulform wird individuell für jedes Kind, gemeinsam mit den Eltern, entschieden. Wenn abzusehen ist, dass das Kind dem Leistungsdruck der Klassen 3 und 4 der Grundschule nicht gewachsen ist und es am Förderzentrum bleibt, ist ein mögliches Ziel die Rückführung in die Hauptschule (5. Klasse).
In der Regel ist die Klassenstärke der Diagnose- und Förderklasse geringer als in den Grundschulklassen (meist zwischen 12 und 14 Kinder pro Klasse). Dies trägt dazu bei, dass besser auf die Stärken und Schwächen der Schüler eingegangen werden kann. Weiter verfügen die Diagnose- und Förderklassen, wenn es organisatorisch machbar ist, über Differenzierungsstunden. In diesen Stunden steht ein zweiter Lehrer zur Verfügung. Dadurch ist eine wirklich individuelle Förderung realisierbar.
An unserer Schule wird auch die äußere Differenzierung umgesetzt. Dies bedeutet, dass Kinder verschiedener Klassen mit ähnlichem Leistungsstand in Lerngruppen zusammengefasst werden. Beispielsweise gibt es Rechengruppen oder Lesegruppen. Somit kann gemeinsames Lernen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten realisiert werden.
Das Grundkonzept der Diagnose- und Förderklassen beruht darauf, vom Kind und seinen Fähigkeiten auszugehen, es dort abzuholen, wo es steht. Es soll in seiner persönlichen, emotionalen und schulischen Entwicklung bestmöglich gefördert werden.
Wie dieses Prinzip der Ganzheitlichkeit im Unterricht umgesetzt werden kann, soll das nachfolgende Beispiel aufzeigen. Es handelt sich um eine Lesestunde, in der die Kinder den Laut M und die dazugehörigen Lautzeichen M m in all ihren Dimensionen erfassen sollen. In der Regel werden solche Stunden im Stationenunterricht realisiert.
Auge - visuelle Wahrnehmung
Erkennen, unterscheiden und einprägen von Formen, Farben und räumlicher Ausrichtung.
Umsetzung im Unterricht:
Die Schüler erfassen den Buchstaben in seiner geschriebenen Form (M m). Gestützt durch ein Handzeichen und ein Bild, das mit M anfängt: z.B eine Maus
Auftrag:
Suche alle M m und kreise sie ein!

Ohr - auditive Wahrnehmung
Erkennen, unterscheiden und einprägen von Geräuschen und Lauten.
Umsetzung im Unterricht:
Der Laut zum Buchstaben wird isoliert sowie aus bildhaft dargestellten Wörtern gehört oder in ihnen lokalisiert (vorne-mitten-hinten).
Auftrag:
Melde dich, wenn du ein M m hörst!
Wo hörst du das M?
Betrachte das Bild, sprich es!
Lege einen Stein an die Stelle, an der du das M hörst!

Mund - Sprache
Dazu gehören Laut-, Wort- und Satzbildung, Wortschatz und Redefluss.
Umsetzung im Unterricht:
Der neue Laut wird deutlich gesprochen.
Durch Spiegel und Bilder wird die Mund- und Zungenstellung bei der Lautbildung dargestellt.
Auftrag:
Sprich den neuen Buchstaben! (laut, leise, hell, dunkel, schnell, langsam....)
Sprich die Wörter!
Betone den Buchstaben im Wort.
Betrachte dein Spiegelbild.

Hand- Feinmotorik
Das Auge führt die Hand beim Schreiben. Diese Auge - Hand-Koordination ist eine wesentliche Fähigkeit, um das Schreiben zu erlernen.
Handgeschicklichkeit, Stifthaltung, Stiftführung sowie die feine Entwicklung des Tastsinns sind weitere Gesichtspunkte.
Umsetzung im Unterricht:
Aus einer Auswahl von Buchstaben muss das M oder m tastend gefunden werden. Mit Fingerfarben wird die Form des Buchstabens nachempfunden.
Ausmalen von Umrissbuchstaben.
Auftrag:
Finde den Buchstaben!
Lege / male / prickle / drucke den Buchstaben!
Schneide den Buchstaben aus!

Fuß - Grobmotorik
Wichtig ist die Schulung des Gleichgewichts, die Koordination der verschiedenen Körperteile sowie die Fähigkeit, die Körpermitte zu überschreiten.
Beweglichkeit des ganzen Körpers.
Umsetzung im Unterricht:
Es finden sich an einigen Stationen Bewegungsgeräte (Rollbrett, Laufdollies, Kriechtunnel, Balancierstange....). Eine Lernaufgabe wird dabei mit einer Bewegungsaufgabe verknüpft.
Auftrag:
Finde ein M-Kärtchen, transportiere es mit dem Rollbrett zu deinem Partner!
Laufe / hüpfe den Buchstaben!

Kopf - Denken
Erkennen von Zusammenhängen und Gesetzmäßigkeiten.
Transfer und Analogiebildung.
Umsetzung im Unterricht:
Unser Gehirn ist in der Lage, aus den einzelnen Empfindungen ein Ganzes zu machen oder diese Empfindungen zueinander in Beziehung zu setzen.
Beim Lesen bedeutet dies:
Das Kind kann Laut und Buchstaben einander zuordnen. Es kann den neuen Buchstaben beim Lesen mit anderen Buchstaben verknüpfen. Es versteht den Sinn des Gelesenen. Es ist in der Lage, selbst Wörter zu bilden und zu schreiben.
Auftrag:
Finde zu den Wörtern die richtigen Bilder!

Herz - Gefühl
Aufbau von Selbstbewusstsein, Vertrauen, Empathie und Gemeinschaftssinn.
Partnerschaftliches Lernen und Arbeiten.
Umsetzung im Unterricht:
Das Herz wird immer angesprochen, wenn Lerninhalte die Kinder in ihren Gefühlen berühren und ansprechen. Im Leselernprozeß werden die Kinder unserer Schule daher von Momel, einer Handpuppe (siehe Lehrerseite!) begleitet. Momel erlebt allerlei seltsame Dinge und benötigt ständig die Kinder als Ratgeber oder kleine Lehrer. Momel spricht die Kinder sehr an, so dass sie seine Geschichten mit Freude lesen oder ihm Briefe schreiben.
Im Stationenunterricht ist Partnerarbeit wichtig.
Auftrag:
Lies abwechselnd mit deinem Partner!
Gib deinem Partner (der eine Tastbrille auf hat) Buchstaben zum Tasten.
Lies die Geschichte im Momel-Buch. Erzähle sie deinem Partner.